Dienstag, 26. März 2013

Rezi "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen" Dora Heldt

Titel: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!
Autor: Dora Heldt
Originaltitel: s.o.
Verlag: dtv
ISBN: 9783423280075
Preis: 17,90 €
Genre: Gegenwartsliteratur
Format: Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.03.2013
Reihe: -


5+ von 5 Sternen
*Inhalt:*
Heinz (75) und Walter (60) gewinnen eine Reise für gutsituierte Senioren. Alle außer sie sehen das ganze sehr kritisch, das ist doch sicher eine Kaffeefahrt und den beiden Männern wird irgendein Mist angedreht. Doch sie lassen sich nicht beirren (schließlich kann ihnen ja niemand etwas vormachen) und machen sich gemeinsam mit anderen teils sehr speziellen Senioren und einer doch schon sehr merkwürdigen Reiseleitung auf den Weg an die Schlei. Auch Finchen (75) ist unter den Reisenden, gemeinsam mit ihrer Nichte Johanna, die gerade in einer heftigen Ehekrise steckt. Finchen hat ihr ganz eigenes Ziel für diese Reise.

*Wie kam das Buch zu mir*
Ich mochte ja bereits „Kein Wort zu Papa“ sehr und war von einer Onlineübertragung einer Lesung der Autorin so begeistert, dass ich noch mehr von ihr lesen wollte. Als dann jetzt dieses Buch hier herauskam, musst ich es haben.

*Aufmachung/Qualität*
Das Buch ist ein Hardcoverbuch mit Schutzumschlag. Es hat wieder den gleichen Stil wie die anderen Dora Heldt Bücher, was ich sehr gut finde. Es macht sich nicht nur gut im Bücherregal sondern man weiß auch im Buchladen gleich das die Bücher von der selben Autorin sind.
Das Buch an sich ist azurblau und hat ein gelbes Lesebänden. Diese Kombination passt sehr schön und man braucht nicht extra ein Lesezeichen.
Das Buch ist zwar in Kapitel unterteilt, allerdings gibt es keine Überschriften oder Verzierungen, nicht einmal Nummerierungen. Das kannte ich so noch nicht und war erst etwas irritiert. Die Kapitel haben eine angenehme Länge von etwa 15-20 Seiten.

*Meinung:*
 Ich war mir etwas unschlüssig ob ich das Buch mit normalen 5 Sternen bewerte oder doch meiner Sonderwertung mit dem Plus vergebe. Letzteres bekommen nur wirklich tolle Bücher, bei denen ich mir sehr gut vorstellen könnte sie erneut zu lesen. Eigentlich kann ich gar nicht sagen was so besonders an dem Buch war und doch habe ich mich so verdammt gut amüsiert. Daher habe ich mich schlussendlich für die Sonderwertung entschieden.

Die Grundidee ist interessant, aber ich fragte mich wie die Autorin darüber ein ganzes Buch schreiben will ohne in langweilige Ausführungen oder Geplänkel zu verfallen. Meine Befürchtungen war unbegründet. Die Autorin schaffte es die Geschichte um diese ganz 'besondere' Reise mit vielen interessanten Charakteren und deren großen und kleinen Problemen zu würzen. Sie brauchte daher keine langweiligen Landschaftsbeschreibungen oder andere Lückenfüller. Das Thema dieser sogenannten Kaffeefahrten ist ja recht aktuell und was es sonst noch so für Betrügereien gibt hat man auch schon hier und da gehört. Daher finde ich die geschilderte Reise sehr realistisch, auch wenn das gar nicht der Anspruch des Buches ist. Das Buch lebt von seinen skurrilen Charakteren, aber dazu später mehr. Neben der Reise und den Hintergründen dazu, spielen vor allem die großen und kleinen Probleme der Mitreisenden eine Rolle. Zum einen haben wir da die Hauptpersonen Heinz und Walter, die man als Dora Heldt Leser schon aus den anderen Bänden kennt. Sollte dies das erste Dora Heldt Buch für einen Leser sein, macht das auch nichts, da man die beiden und ihrer Familien vorgestellt bekommt und hier nichts kompliziert verstrickt wird. Es kommen wieder kleine Anspielungen zu anderen Büchern der Autorin vor, aber man muss diese nicht zwingend vorher gelesen habe. Das Buch steht für sich allein, hat halt nur wieder Charaktere aus den anderen Büchern mit drin. Heinz und Walter sind Schwager und müssen auf dieser Reise auf engstem Raum zusammenleben, was so einiges an Problemen mit sich bringt. Noch dazu sind beide sehr speziell und vor allem Heinz mischt sich für sein Leben gern in das Leben anderer ein, wenn auch auf sehr liebenswürdige Weise. Neben den beiden sorgen auch Finchen und ihre Nichte Johanna für interessanten Lesestoff. Johanna lebt nämlich gerade getrennt von ihrem Mann und nicht nur sie ist darüber unglücklich. Das will Finchen sich nicht länger ansehen und schmiedet einen Plan. So mehr will ich hier nicht verraten.

Der Schreibstil von Dora Heldt ist einfach herrlich. Ganz besonders gefällt mir bei ihr, wie sie Situationen so unglaublich lustig beschreibt, ohne das es gezwungen wirkt. Ich habe beim Lesen ihrer Bücher ständig urkomische Bilder im Kopf. Zum Beispiel wie ein völlig verschlafener Walter seinen Kulturbeutel unter den Arm klemmt und aus dem Zimmer schlurft oder ein anderes Mal im Morgenmantel über einer Mülltonne hängt. Im Zusammenhang mit dem Verlauf der Geschichte ist das dann absolut lustig. Die Seiten fliegen nur so dahin und auf dem Gesicht macht sich ein Dauergrinsen breit.

Das Buch ist sehr humorvoll. Emotional wird daher nicht allzu sehr in die Tiefe gegangen. Trotzdem wirken die Freundschaften und Beziehungen in der Geschichte authentisch.

Jeder Thrillerfan wird mich auslachen, wenn ich sage, dass dieses Buch für mich spannend war, aber so ist es nun mal. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, da ich wissen wollte was nun hinter dieser Reise und bestimmten Personen steckt und auch wie sich die großen und kleinen Probleme der Charaktere entwickeln bzw. auflösen werden. Natürlich war alles recht vorhersehbar, aber trotzdem sehr unterhaltsam.

Die Charaktere sind einfach genial. Ich liebe Heinz, er ist einfach schrecklich lieb und besorgt um seine Mitmenschen. Ich mochte ihn ja schon in „Kein Wort zu Papa“ aber hier ist er mir noch viel mehr ans Herz gewachsen und es hat mich gefreut, dass er hier eine Hauptrolle spielen durfte. Walter ist grummelig und trotzdem merkt man, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Er bildet einen sehr guten Kontrast zum freundlichen und hilfsbereiten Heinz. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Buch, das sich um Senioren dreht so begeistern kann. Man merkt aber, dass das Buch aus von einer Frau im mittleren Alter geschrieben wird, die mit Abstand auf die ein oder andere Schrulligkeit im Alter sehen kann. Auch die vielen Nebencharaktere waren sehr originell. Das modebewusste Finchen mit ihrer Nichte Johanna, die eigentlich so gar keine Lust auf die Reise hat und dann aber versucht eine geheime Reportage daraus zu machen, sind ebenfalls Charaktere die dieses Buch zu dem machen was es ist. Christine (Heinz' Tochter) kommt auch in diesem Buch vor und zusammen mit Johanna und noch einigen wenigen Nebencharakteren senkt sie das Durchschnittsalter etwas. Es brauch also niemand Angst haben hier nur über alte schrullige Leute zu lesen.

Eine Liebesgeschichte gibt es hier zwar auch, aber sie spielen eher eine Nebenrolle. Trotzdem gehört das für mich dazu und das ganze war sehr stimmig und interessant. Viel entscheidender sind aber die Verwandtschaftsbeziehungen in diesem Buch. Es ist einfach köstlich wie sich hier Tochter zu Vater, Schwager zu Schwager, Tante zu Nichte... verhalten. Alles ist sehr humorvoll und trotzdem nicht zu überspitzt.

Warnungen: Warnungen brauche ich hier keine auszusprechen, außer vielleicht vor Krämpfen der Gesichtsmuskulatur auf Grund von Dauergrinsen oder -lachen.

Grundidee 4/5
Schreibstil 5+/5
Emotionen 3,5/5
Spannung 5/5
Charaktere 5+/5
Liebesgeschichte 4/5

*Fazit:*
Für mich war das Buch noch viel besser als „Kein Wort zu Papa“ obwohl mir auch das schon super gefiel. Die Geschichte war unglaublich witzig und Hauptprotagonist Heinz hat mein Herz im Sturm erobert. Allgemein waren die Charaktere sehr originell und sympathisch. Für einen Unterhaltungsroman war das Buch spannend und ich mochte es gar nicht zur Seite legen. Ich fand es super, dass man einige der Charaktere schon kannte. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Romane der Autorin lesen.

 5+ von 5 Sternen

Kennt ihr auch Bücher von Dora Heldt? Wenn ja, wie haben sie euch gefallen oder was ist euer Lieblingsbuch von ihr?

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich habe alle Christine-Bücher gelesen und mein Lieblingsroman ist "Urlaub mit Papa" - ich finde Heinz so genial, obwohl ich so einen Vater nicht haben möchte... ;-)

    LG
    Sabine

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    1. Der steht auch noch in meinem Regal, aber ungelesen. Ich habe sie also in der falschen Reihenfolge gelesen. "Kein Wort zu Papa" spielt ja erst danach. Aber das ist mir eigentlich egal. Ich finde die kann man auch gut durcheinander lesen.
      Hast du "Herzlichen Glück..." dann auch schon gelesen? Also da ist Heinz einfach noch genialer. Aber im wahren Leben möchte ich ihn auch nicht als Vater. :)
      LG
      Sunny

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